![]() |
|
|
Erste HilfeGrundsätzlich beschränkt sich die ERSTE HILFE an Unfallbetroffenen oder Erkrankten auf Rettung aus unmittelbarer Gefahr, Versorgung und Lagerung bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder Notarztes, Überwachung und Abwehr lebensbedrohlicher Zustände (Ersticken, Atemstillstand, Verblutung, Schock). IndexBei der Bergung eines Bewusstlosenaus einem Unfallfahrzeug oder allgemein aus einer Gefahrenzone stellt sich der Helfer mit gespreizten Beinen hinter den Verletzten, den Oberkörper nach vorn gebeugt. Der Helfer greift dann von hinten mit beiden Armen unter den Achselhöhlen des Verletzten hindurch und erfasst mit beiden Händen einen rechtwinklig vor der Brust abgewinkelten Arm des Verletzten (Rautek-Griff). Im Rückwärtsgehen zieht er den Verletzten aus der Gefahrenzone. Da Bewusstlosen Ersticken durch Verlegung der Atemwege mit Blut, Schleim oder Erbrochenem droht, müssen sie in eine Seitenlage gebracht werden, aus der sie nicht zurücksinken können und bei der das Gesicht so zur Erde gewendet ist, dass Blut und Schleim abfliessen können, ohne dass die Atmung behindert ist. Um diese stabile Seitenlage (auch stabile Seitenlagerung oder NATO-Lage genannt) zu erreichen, wird der Verletzte in Hüfthöhe etwas angehoben und der dem Helfer naheliegende Arm des Betroffenen gestreckt unter das Gesäss geschoben. Das naheliegende Bein wird gebeugt. Der Helfer fasst an Schulter und Hüfte der fernen Seite und dreht den Verletzten zu sich herum. Der unter dem Körper liegende Arm wird am Ellbogen etwas nach hinten gezogen. Der Kopf des Verletzten wird in den Nacken zurückgebeugt, das Gesicht erdwärts gewendet. Die Finger der oben liegenden Hand werden unter die Wange geschoben, Handfläche nach unten, damit der Kopf seine zurückgebeugte Lage behält. Danach nochmals die Atmung des Betroffenen überprüfen, z.B. durch Ertasten des Zwerchfells (eine Hand am Rippenbogen, die andere etwas gegen den Magen verschoben). Die Abwehr akuter Lebensgefahr und die Versorgung schwerer Verletzungen haben Vorrang vor der Behandlung leichterer bzw. nicht unmittelbar lebensbedrohlicher Verletzungen. Alle weitergehenden Massnahmen (Umlagerung, Transport, Knochenbruchbehandlung) sollten dem Notarzt und den Rettungssanitätern überlassen werden, da sie, von ungeübten Helfern durchgeführt, zusätzliche Schädigungen herbeiführen können. AugenverletzungenBei Verätzungen Ober- und Unterlid auseinanderspreizen und mit Wasser ausspülen; beide Augen verbinden und den Verletzten zum Arzt begleiten. Bei Fremdkörpern hinter dem Unterlid lässt man den Verletzten nach oben sehen, zieht das Unterlid nach unten und streicht mit einem sauberen Tuchzipfel den Fremdkörper in Richtung Nasenrücken heraus. Bei Fremdkörpern unter dem Oberlid lässt man den Verletzten nach unten sehen, klappt das Oberlid vorsichtig nach aussen und wischt den Fremdkörper in Richtung Nasenrücken aus dem Bindehautsack heraus. Offene Augenverletzungen werden mit einem sterilen Verband abgedeckt, sofortiger Transport zum Arzt oder in eine Klinik. BauchverletzungenBei stumpfen Bauchverletzungen sollte der Verletzte mit erhöhtem Kopf, angewinkelten Knien und abgestützten Füssen gelagert werden, um die Bauchdecke zu entspannen. Offene Bauchverletzungen sind keimfrei abzudecken. Auf keinen Fall eventuell hervorquellende Darmteile zurückschieben oder eingedrungene Fremdkörper entfernen. BlutungenKleinere Blutungen nach Verletzung der Haut kommen meist kurze Zeit nach Auflegen eines keimfreien Verbandes zum Stillstand. Nasenbluten lässt sich durch festes Andrücken des Nasenflügels gegen die Nasenscheidewand stillen. Zur reflektorischen Gefässverengung kann man auch ein nasses, kaltes Tuch oder einen Eisbeutel auf Stirn und Nacken legen. Innere Blutungen aus Lunge (Bluthusten), Magen (Bluterbrechen), Darm (schwarzer, flüssiger Stuhl), Niere oder Blase (blutiger Harn) müssen unverzüglich in einem Krankenhaus ärztlich versorgt werden. BrustkorbverletzungenBei stumpfen Brustkorbverletzungen kann das Durchatmen sehr schmerzhaft sein (Rippenbruch). Bei Verletzungen des Lungengewebes durch gebrochene Rippen hustet der Verletzte schaumig durchmischtes Blut aus. Zunehmender Lufthunger kommt hinzu. Lagerung mit erhöhtem Oberkörper, beengende Kleidungsstücke öffnen (Unterkühlung vermeiden), schonenden Transport in eine Klinik veranlassen. Offene Brustkorbverletzungen müssen mit einem möglichst keimfreien Verband bedeckt werden. Der Verletzte wird mit erhöhtem Oberkörper auf der verletzten Seite gelagert und schnellstens in ein Krankenhaus gebracht. Eventuell eingedrungene Fremdkörper dürfen nicht entfernt werden. Elektrische UnfälleVor Berührung des Verletzten Stromzufuhr unterbrechen. Bei Herzversagen und Atemstillstand ist sofort mit der Wiederbelebung zu beginnen. Eventuelle Strommarken keimfrei abdecken. Sofortiger Transport in ein Krankenhaus notwendig. ErfrierungenBei Erfrierungen 1. Grades (blasse, gefühllose Haut) Erwärmung durch Massage und aktive Bewegung der Gliedmassen; wenn möglich Wechselbäder; anschliessend Abdeckung der erfrorenen Körperteile mit einem Polsterverband. Bei Erfrierungen 2. Grades (Blasenbildung) und 3. Grades (Gewebstod mit blauschwarzer Verfärbung der Haut) einen Polsterverband anlegen; Wiedererwärmung nur unter Aufsicht des Arztes. ErtrinkenBei Atemstillstand sofort Atemspende; bei Herzstillstand gleichzeitig Herzmassage; unverzüglich in eine Klinik bringen. FremdkörperFremdkörper in der Nase können eventuell durch Zuhalten der nicht betroffenen Nasenseite und kräftiges Schneuzen entfernt werden. Bei Fremdkörpern im Gehörgang Kopf zur betroffenen Seite neigen, dabei Hüpf- oder Springbewegungen ausführen. Bei Fremdkörpern in der Luftröhre Kopf vornüber neigen lassen, durch kräftige Schläge auf den Rücken den Betroffenen zum Husten bringen. Kleine Kinder hebt man an den Beinen hoch, so dass der Kopf nach unten hängt, und schüttelt sie kräftig oder schlägt ihnen mit der flachen Hand auf den Rücken. Hilft dies nicht, muss der Betroffene sofort ins Krankenhaus gebracht werden. HitzschlagDen Betroffenen an einen kühlen, schattigen Ort bringen, bei blassem Gesicht flach, bei rotem Gesicht mit erhöhtem Kopf lagern; bei Bewusstlosigkeit Seitenlagerung, eventuell Atemspende, Kleider öffnen. Anfang InsektensticheDen eventuell steckengebliebenen Stachel entfernen; bei stärkerer örtlicher Rötung, Schwellung und Schmerzen Kühlung mit Wasser oder Eisstückchen. Insektenstiche im Mund-Rachen-Raum erfordern unverzüglichen Transport in ein Krankenhaus (Erstickungsgefahr). Verbrennungen (Verbrühungen)Verbrennungen 1. Grades (schmerzhafte Rötung der Haut) werden zuerst mit kaltem Wasser behandelt, ebenso Verbrennungen 2. Grades (Rötung und Blasenbildung) an kleineren Hautflächen. Brandblasen dürfen nicht geöffnet werden. Bei grossflächigen Verbrennungen 3. Grades (Verkohlung der Haut) werden die Wunden mit keimfreien Tüchern abgedeckt.Bei Verbrühungen muss unbedingt die Kleidung entfernt werden. VergiftungenMagenspülungen dürfen nur durchgeführt werden, wenn der Vergiftete nicht bewusstlos ist, die Giftaufnahme (durch den Mund) nicht länger als 3-4 Stunden zurückliegt und keine Vergiftung mit Säuren oder Laugen vorliegt. Zur Magenspülung lässt man Erwachsene 1/2 l warmes Salzwasser, Kinder reichlich Himbeersaft trinken und reizt danach die Rachenhinterwand mit dem Finger oder einem Löffelstiel, bis Erbrechen eintritt. Das wird wiederholt, bis der Vergiftete klare Flüssigkeit erbricht. Bei Bewusstlosigkeit unter Umständen Atemspende und äussere Herzmassage, stabile Seitenlage; sofortige ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen bzw. Krankenhauseinweisung veranlassen. Bei Vergiftungen mit Pflanzenschutzmitteln (Kontaktgiften) nur mit Beatmungsgeräten beatmen. WundenWunden werden mit einem keimfreien Verband abgedeckt, eingedrungene Fremdkörper dürfen nicht entfernt werden. Bei stärkeren Blutungen ist ein Druckverband anzulegen. Alle grösseren Schnitt- und Schürfwunden sowie Stich-, Platz-, Quetsch-, Riss-, Schuss-, Kratz- und Bisswunden müssen einem Arzt gezeigt werden. |